Gehaltsverhandlung -
  die Gesprächsvorbereitung

 Autor: Thomas Ullrich, DenkHalle Consulting

Wer sich gut vermarkten will, muss wissen was er wert ist. Dies klären Sie mit folgenden drei Schritten der Marktwertanalyse:


Verhandlungsziel

Klare Ziele und Verhandlungserfolg stehen in direktem Zusammenhang. Entsprechend werden Sie sich ein klares Verhandlungsziel setzen.

Bedenken Sie dabei, ob es Ihnen tatsächlich allein um das Geld geht, oder ob damit der Verzicht auf andere Annehmlichkeiten abgegolten werden soll. Hätten Sie statt einem Mehr an Geld lieber mehr Freizeit, mehr persönlichen Entscheidungsspielraum, eine bessere persönliche Perspektive oder eine Gleitzeitregelung? Möglicherweise finden Sie heraus, dass Sie mit Ihrem Vorgesetzen über ganz andere Dinge sprechen sollten, als über Ihr Gehalt.

Wie immer Ihr angestrebtes Ziel aussieht: Sie sollten sich keine überzogenen Hoffnungen machen. Innerhalb Ihres Unternehmens werden Sie kaum mehr als 10 % Gehalts-zuwachs erreichen können - bestenfalls.
Wenn Sie den Job wechseln, können Sie ganz neu verhandeln und im Schnitt bis zu 20 % mehr Gehalt "rausholen".

In jedem Fall lohnt es sich, das Jahresgehalt zu verhandeln. Wenn Sie Ihr Ziel festlegen, sollten Sie auch strategische Aspekte miteinbeziehen. So können Sie Fortbildungen später in eine weit bessere Verhandlungsposition bringen, als jetzt ein paar Euro mehr. Ziehen Sie also auch Alternativen zur reinen Gehaltszahlung in Betracht.

Es gibt eine Reihe von Alternativen, die sich steuerlich sowohl für das Unternehmen, als auch für den Mitarbeiter rechnen. Hierzu zählen u.a.:

      • Arbeitgeberdarlehen
        Beim Arbeitgeberdarlehen gewährt das Unternehmen seinen Mitarbeitern ein zinsgünstigeres oder zinsfreies Darlehen.
         
      • Belegschafts-Aktien
        Unter bestimmten Umständen ist die Mitarbeiter-Beteiligung in Form von Aktien oder eine Genussrechtregelung sinnvoll.
         
      • Belegschaftsrabatte
        Arbeitnehmer können verbilligt oder unentgeltlich eine bestimmte Menge hauseigener Produkte erstehen.
         
      • Direktversicherung
        Der Arbeitgeber übernimmt die Prämien für Altersvorsorge, Unfall- Risikolebens- oder Berufsunfähigkeitsversicherung.
         
      • Essenszuschuss
        Der Arbeitgeber finanziert das Mittagessen der/des Mitarbeiters.
         
      • Fahrtkostenerstattung
        Der Arbeitgeber übernimmt die Kosten für öffentliche Verkehrsmittel oder kilometerpauschal die Pkw-Fahrtkosten.
         
      • Firmenhandy
        Der Arbeitgeber finanziert das - auch privat nutzbare - Mobiltelefon.
         
      • Firmenwagen
        der Wagen wird vom Unternehmen gestellt, darf aber auch für private Fahrten (inkl. Urlaub, etc.) genutzt werden.
         
      • Aufwendungen für Fortbildung/Coaching
        Mitarbeiter werden gezielt durch Fortbildungen und/oder Coaching gefördert. Die Kosten übernimmt der Arbeitgeber.
         
      • Kindergartenzuschuss
        Der Arbeitgeber übernimmt (teilweise) die außerhäusliche Betreuung und Unterbringung nicht schulpflichtiger Kinder.
         
      • Umzugskostenübernahme
        Ist mit Ihrem Job ein Umzug verbunden, lohnt sich die Übernahme der Kosten durch das Unternehmen für beide.

Diese Aufzählung lässt sich noch sehr viel weiter führen. Sie sollten diese Aspekte für Ihre Gehaltsverhandlung berücksichtigen. Ziehen Sie aber auf jeden Fall zuvor Ihren Steuerberater hinzu, um zu klären welche Modellkombination sich für Sie - bei dem jeweils aktuellen Steuerrecht - am meisten rechnet.


Argumentbilanz

Das erste, was Ihnen bei der Forderung nach mehr Gehalt entgegenschlägt, ist die Frage "Warum?" - Sie brauchen also gute Argumente.
Das Sie sich lange keine Urlaub mehr haben leisten können, Ihre letzte Gehaltserhöhung drei Jahre zurückliegt und Ihr Kollege ja schließlich auch eine Gehaltserhöhung bekommen hat, sind Argumente, mit denen Sie sich lediglich lächerlich machen.

Zwar gibt es Zeitgenossen, die zu glauben scheinen, das Gehalt sei eine Art "Anwesenheitsentschädigung", tatsächlich bezahlt Ihr Arbeitgeber Sie ausschließlich für die Leistung, die Sie erbringen.

Um überzeugende Argumente zu finden, erstellen sie eine "Argument-Bilanz". In dieser sammeln Sie alle Gründe, die für und alle Gründe, die gegen eine Gehaltserhöhung sprechen.

Die Gründe pro Gehaltserhöhung werden zu Ihren Argumenten für das Gespräch. Hierzu zählen unter anderem, ob Sie gegenüber Ihrer Stellenbeschreibung, bzw. gegenüber dem IST der letzten Gehaltsverhandlung

...mehr Verantwortung übernommen haben
...neue Aufgaben übernommen haben
...(nachhaltige) Einsparungen initiiert oder durchgesetzt
   haben
...mehr leisten (z.B. durch Vertretung von Kollegen)
...besondere/umsatzstarke Projekte für Ihr Unternehmen
    an Land gezogen haben
...durch Fortbildungen besondere Qualifikationen
   erworben haben, die Sie erfolgreich in den
   Arbeitsablauf einbringen
...das Betriebsklima oder betriebliche Abläufe verbessert
   haben

   und viele andere Gründe mehr.

Mit den Argumenten contra Gehaltserhöhung bereiten Sie sich auf mögliche Einwände Ihres Verhandlungspartners vor. Entwerfen Sie konkrete Entgegnungen auf diese Einwände.



The Art of Timing

Wie immer und überall: Das Timing spielt auch bei der Gehaltsverhandlung eine wichtige Rolle. Schon bei der Tageszeit sollten Sie überlegen, wann Sie typischerweise besonders aufmerksam und überzeugend sind.

Sind Sie eher ein Morgen- oder ein Abendmensch? Entsprechend werden Sie den Gesprächstermin eher auf 9:00 Uhr bzw. 12:30 Uhr legen oder auf ca. 11:00 Uhr bzw. auf 16:00 Uhr.

Ferner gilt zu berücksichtigen, an welchen Tagen typischerweise besonders viel Betrieb ist, wann längere Sitzungen anstehen, auf die sich Ihr Vorgesetzter ggf. noch vorbereiten muss, etc.

Auch wenn gerade Krisenstimmung in Ihrem Unternehmen herrscht, sollten Sie den Termin zur Gehaltsverhandlung noch einmal verschieben.



Faire Info

Geben Sie Ihrem Verhandlungspartner ebenfalls die Chance sich auf das Gespräch vorzubereiten! Wenn Sie den Gesprächstermin vereinbaren, sagen Sie ruhig, dass es um das Thema "Gehalt" geht. Andernfalls, kann sich Ihr Gesprächspartner leicht überfahren oder in die Ecke gedrängt fühlen.

Durch die offene Ankündigung signalisieren Sie, dass Sie in dem Gespräch nicht gegen Ihren Chef antreten, sondern gemeinsam mit ihm an einer Lösung für Ihren Wunsch nach mehr Geld arbeiten wollen.



Mentale Einstimmung

Der positiv gestimmte lächelnde Mensch ist weithin überzeugender und damit erfolgreicher als seine nüchternen Zeitgenossen. Entsprechend positiv und gut gelaunt sollten Sie ins Gehaltsgespräch gehen. Um sich ein wenig in Lächellaune zu bringen, hilft folgender Trick:
Stellen Sie sich vor einen Spiegel und grinsen Sie sich so kräftig Sie können für ca. 30 Sekunden bis 3 Minuten selbst an. Warum? Ganz einfach: Nicht nur gute Laune erzeugt ein Lächeln, sondern umgekehrt kann auch ein "erzwungenes Lächeln" nachhaltig die Laune heben!

Anschließend ziehen Sie die Schultern bis zu den Ohren und lassen diese dann energisch fallen. Jedes Mal, wenn Ihre Schultern fallen, sagen Sie deutlich "Na und!". Diese Übung nimmt die Spannung aus dem Nacken.

Nun sollten Sie wohlgestimmt, gelockert und gelassen dem Gespräch entgegengehen.

 

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(C) Thomas Ullrich | DenkHalle Consulting - Düsseldorf, 2003