Was hinter den Fragen steckt
  

 Autor: Thomas Ullrich, DenkHalle Consulting


Sandra Maischberger kann es, Reinhold Beckmann kann es und einige Personaler können es auch: Scheinbar einfache Fragen stellen und dennoch auf etwas völlig anderes dabei abzielen.

So sicher Sie sich sein können, dass Sie mit der richtigen Kleidung, dem richtigen Auftreten und einer sicheren Stimmführung im Vorstellungsgespräch punkten, so aufmerksam müssen Sie bei den Fragen sein. Die wahren Interessen der Personalchefs sind nicht immer direkt offensichtlich.
Damit Sie in der Aufregung des Gesprächs nicht überrascht werden, sind folgend fünf häufige Fragen für Sie durchleuchtet.
 


Frage 1: "Warum haben Sie sich gerade bei uns beworben?"

Gewiss freut sich der Arbeitgeber nun von Ihnen zu hören, warum er so toll ist. Aber eigentlich versucht er aus Ihrer Antwort herauszulesen, wie lange Sie möglicherweise bleiben würden.

Jobwechsler verursachen Kosten - um so mehr, je höher ihre Position ist. Daher will man schon bei der Einstellung sichergehen, dass der Bewerber in dem Job mehr sieht, als ein Sprungbrett.

Wer guten Gewissens erklären kann, seine persönlichen Ziele in diesem Unternehmen langfristig am besten verwirklichen zu können, gewinnt Pluspunkte. Wenn Sie dies durch Ihre Vergangenheit untermauern, sei es durch Praktika, verschiedene Projekte oder Interessen, um so besser. Besonders begünstigt sind Mitarbeiter, die gute Freunde oder Verwandte im Unternehmen haben: Solche wechseln den Job seltener, als Mitarbeiter ohne enge Bindung zum Kollegenkreis. Entsprechend werden sie einem anderen Bewerber gleicher Qualifikation oft bevorzugt eingestellt.
 


Frage 2: "Wo wollen Sie in fünf Jahren stehen?"

Wenn Sie glauben es interessiere nur, ob Sie ein Haus haben und eine Luxuslimousine fahren wollen, dann irren Sie aber gewaltig. Der Fragesteller will zunächst mal wissen, ob Sie überhaupt langfristig planen. "Wenn jemand für sich konkret über Jahre in die Zukunft denkt, dann wird er es wohl auch im Job für das Unternehmen so machen", lautet die Hoffnung.

Ferner wird Ihre Beschreibung der Zukunft nach möglichen Konflikten mit dem Beruf untersucht. Dabei wird einerseits geklärt, ob Ihre Vorstellungen der beruflichen Entwicklung im Unternehmen realistisch sind und andererseits, ob Ihre Zukunft nicht im Widerspruch zum Job steht. Wer also heute beschwört, Karriere machen zu wollen, jedoch schon weiß, dass die Familie in fünf Jahren für ihn das wichtigste ist, schafft Erklärungsbedarf.
 


Frage 3: "Wie waren denn die Vorgesetzen, Kollegen und Mitarbeiter in Ihrer alten Abteilung?"

Haben Sie's gemerkt? Hier geht es nicht um die anderen, sondern um Sie. Wer hier die Chance sieht, endlich mit den Miesmuffeln der Vergangenheit abzurechnen und sich ausmeckert, ist voll ins Fettnäpfchen gestapft. Aber auch jener Bewerber, der die Vergangenheit in eitlem Sonnenschein erstrahlen lässt hat Pech, denn hier lautet die Folgerung, dass er wohl etwas zu verbergen habe.

Gut gebrüllt hat jener Löwe, der korrekt positive Dinge nennt und einige sachliche(!) Kritikpunkte einstreut. Achten Sie nur darauf, dass der neue Arbeitgeber bei den Kritikpunkten besser abschneidet, als sein Vorgänger.
 


Frage 4: "Was sind Ihre Stärken und Schwächen?"

Nun bloß kein Seelenstriptease! Sicher ist wichtig, was Sie nennen, doch wieder steckt mehr dahinter: Es geht auch um die Frage, wie selbstreflektiert Sie sind und ob Sie Ihre Stärken fördern und wie Sie mit Ihren Schwächen umgehen. Wer also nur von Stärken aus dem Freizeitbereich zu erzählen weiß und sich gänzlich ohne Schwäche gibt, punktet vielleicht am Stammtisch, jedoch nicht im Vorstellungsgespräch.

Suchen Sie bei sich nach Stärken, die positiv auf die angestrebte Stelle passen und zeigen sie, wie Sie diese Stärken konsequent bei sich fördern. Bei den Schwächen werden Sie entsprechend nach Eigenschaften suchen, die menschlich verzeihlich sind und keinerlei Relevanz für die angestrebte Position haben. Machen Sie auch hier deutlich, wie sie mit Ihren Schwächen verfahren. Z.B. dass Sie einen Rhetorik-Kurs gemacht haben, um über Ihre Furcht, öffentlich zu Sprechen, hinwegzukommen. Solche Initiative, Wille und Tat, sich zu entwickeln, bringen Ihnen viele Pluspunkte ein.
 


Frage 5. "Sie haben Ihre Diplomarbeit zum Thema XYZ geschrieben. Worum ging es da im Einzelnen?"

Es mag sein, dass der Personaler das Thema interessant fin-det. Vor allem will er aber herausfinden, ob Sie ihr Fachwissen auch Lieschen Müller erklären könnten. Wer also mit unverständlichem Fachchinesisch zu brillieren glaubt, erhält Punktabzug. Auch der Vielredner, der den Bogen nicht bekommt, obwohl er bei Adam und Eva angefangen hat, schafft es gewiss nicht an die Tabellenspitze.

Bringen Sie Ihr Thema in einem Satz auf den Punkt. Danach dürfen Sie etwas ausholen - gemeinverständlich und ein wenig amüsant bitte. Üben Sie an der Großmutter: Wenn die Sie versteht und Sie fertig sind, bevor Omi eingeschlafen ist, dann klappt's auch mit dem Personalchef.

(tu)

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(C) Thomas Ullrich | DenkHalle Consulting - Düsseldorf, 2003